Österreich · Altstadt
Wien
Stadtrundgang auf eigene Faust durch die Altstadt von Wien: jede Gasse in zwei Tagen.
Jede Gasse auf der Karte.
Jede Gasse in der Altstadt von Wien ist eine Reihe von Punkten, die du beim Gehen einsammelst. Ich liege seit sechshundert Jahren in einer davon und bin immer noch nicht fertig.
Auf einen Blick
Bevor du losgehst.
- Strecke
- 48,8 km
- Dauer
- etwa 14 Stunden
- Gassen
- 219
- Stufen
- 8 Gassen mit Stufen
- Startpunkt
- Stephansdom
- Handy beim Gehen nötig
- nein
- Offline nutzbar
- ja
- Läuft ab
- nie
Die Altstadt
Jede Gasse, gezeichnet.
Was innerhalb der Linie liegt, kommt auf den Teller. Die Kreise sind Obst.
Sehenswürdigkeiten
Was ich zuerst essen würde.
Sehenswürdigkeiten sind Obst. Je größer die Sehenswürdigkeit, desto größer der Bonus.
Stephansdom 1.500 Punkte
Alle auf dem Platz schauen zum Turm. Sieh dir lieber das Dach an: 230.000 glasierte Ziegel, in ein Muster gelegt. Richtig siehst du es nur aus einiger Entfernung in einer Gasse, nicht von unten. Geh einmal ums Karree.
Albertina 500 Punkte
Vom Albertinaplatz aus siehst du eine Wand voller Steinfiguren, und obendrauf steht ein Haus. Nimm die Rampe. Die Terrasse dort ist der flachste und ruhigste Fleck dieser Runde, und stehen darfst du dort umsonst.
Hofburg 500 Punkte
Das hier ist kein Halt, das ist eine Strecke. Vier Namen dieser Runde sind nichts als Teile dieses einen Baus: Hofburg, Michaelertrakt, Schweizertor, Augustinertrakt. Geh unter einem Tor hinein und weiter, bis du unter einem anderen wieder herauskommst. Niemand schickt dich weg.
Kaisergruft 500 Punkte
Von der Gasse aus siehst du eine Kapuzinerkirche ohne jeden Schmuck und eine Tür auf Straßenhöhe. Die Tür führt abwärts. Das Beste liegt hier unterm Pflaster. Bei mir übrigens auch.
Looshaus 500 Punkte
Am Michaelerplatz, mit Blick aufs große Kuppeltor. Unten vier Marmorsäulen. Darüber eine Fassade, so nackt wie eine Semmel ohne Butter, und genau darum geht es. Stell dich unter die Säulen, schau nach oben und finde heraus, was den oberen Stockwerken fehlt. Was, verrate ich nicht.
Spanische Hofreitschule 500 Punkte
Zwei Straßennamen dieser Runde gehören dazu: die Reitschulgasse und, ums Eck, die Stallburggasse für die Ställe. Von außen ist wenig zu sehen, eine lange Wand und ein Tor. Sei früh dran. Was du nicht siehst, hörst du.
Freyung 250 Punkte
Komm nicht von der Straße herein. Nimm die Ferstelpassage von der Herrengasse her: Geschäfte, ein Knick, ein sechseckiger Hof unter Glasdach. Und dann ist auf einmal alles offen. So soll ein Platz auftauchen.
Hohe Brücke 250 Punkte
Du querst sie, ohne zu merken, dass du überhaupt etwas querst, denn von oben sieht es aus, als liefe die Gasse einfach geradeaus. Such die Stufen an einem der Enden, steig ab und dreh dich um. Von da unten ist sie plötzlich keine Gasse mehr.
Kabarett Simpl 250 Punkte
An dieser Adresse gehst du zweimal vorbei, bevor du sie findest. Außen ist nichts: eine Tür in einer Reihe von Türen, draußen in den östlichen Gassen. Was drinnen passiert, passiert abends, und zum Anschauen ist nichts davon.
Ministerienbrunnen 250 Punkte
Das östliche Ende der Runde, draußen an der breiten Ringstraße, wo die Gassen aufhören. Es sind zwei, links und rechts vom Portal, und sie sind der einzige Grund, so weit nach Osten zu gehen. Hin, anschauen, zurück. Drinnen schmeckt es besser, und die Gassen wissen das.
Ringturm 250 Punkte
Die Nordspitze der Runde. Dort, wo die Ringstraße auf den Kai trifft, hatte sie nie einen richtigen Schluss, also hat jemand einen hingestellt: 23 Geschoße. Den erkennst du aus sechs Gassen Entfernung, und er ist deshalb das einzige ehrliche Wegzeichen dieser Runde.
Ruprechtskirche 250 Punkte
Zwei Straßennamen dieser Runde zeigen auf sie, und einer davon ist eine Treppe. Nimm die Ruprechtsstiege. Sie ist die unscheinbarste Station dieser Runde und am leichtesten zu übersehen, ganz an der Kante der Terrasse, wo der Boden dahinter wegbricht.
Schwarzenberg 250 Punkte
Das südöstliche Eck, dort, wo die Runde auf die breite Straße ausläuft. Es ist der einzige Halt dieser Runde, in dem Sessel stehen, und die Sessel sind der Grund. Ich habe mich noch nie gesetzt und fange jetzt auch nicht damit an.
Essen
Echtes Essen.
Wien hat für ein Kaiserreich gekocht und sich dabei in fast allen seinen Ecken bedient. Das Gulasch kam Anfang des neunzehnten Jahrhunderts über die Pressburger Gegend, der gezogene Strudelteig über den Balkan, und die Ochsen fürs Rindfleisch sind aus Ungarn zu Fuß hergegangen. Das österreichische Register sagt es ohne Umschweife: Viele Wiener Klassiker stammen aus den Kronländern und aus Ungarn, das gekochte Rindfleisch ist Wiens eigenes. Das andere, was Wien nie einführen musste, ist sein Gemüse. Das wird in und um die Stadt seit dem fünfzehnten Jahrhundert angebaut.
Fleisch und Fisch
Wiener Schnitzel
Kalbfleisch vom Schlögel, in Mehl, verschlagenem Ei und Semmelbröseln gewendet und goldgelb in Fett herausgebacken, in dem es schwimmt. Jeder erzählt dir, ein Feldmarschall habe es aus Mailand mitgebracht. Ein Historiker hat die Geschichte 2001 zerlegt, und ein Sprachforscher hat gefunden, wo sie anfängt: in einem italienischen Gastronomieführer von 1969. Paniert und herausgebacken wurde in Wien lange vor dem Feldmarschall.
Ein Wiener Schnitzel auf der Karte ist per Definition vom Kalb. Schnitzel Wiener Art ist die Variante vom Schwein, also lies genau, was dasteht.
Tafelspitz
Rindfleisch vom Schlögel eines jungen Ochsen, drei Stunden und länger gesotten, in Scheiben, dazu Schnittlauchsauce, Apfelkren oder Semmelkren und Röstkartoffeln. Ein Wiener Feuilletonist hat den hiesigen Maßstab festgehalten: Wer nicht über mindestens ein Dutzend Stücke gekochten Rindfleischs sachkundig reden konnte, gehörte in Wien nicht dazu. Ich kenne drei, und ich bin ein Stein.
Wiener Saftgulasch
Vorderer Wadschinken und sehr viele Zwiebeln, stundenlang mit Paprika, Kümmel und Majoran geschmort und nie mit Mehl gestaubt, also bindet der Saft von selbst. In Wien ist das ein Vormittagsessen, das klassische Gabelfrühstück, dazu eine resche Semmel. Aufgwärmt is nua a Gulasch guat, sagt man hier. Zeit zum Aufwärmen habe ich genug.
Vegetarisch
Kaisersemmel
Ein rundes Weißgebäck mit fünfteiligem Stern. Bei der Handsemmel wird der Stern von Hand eingeschlagen, auf einem Teig, der mindestens zwei Stunden geführt wird. Das Register nennt sie einen wesentlichen Bestandteil des Wiener Frühstücks. Der Stern ist keine Zierde. Er macht mehr Kruste, und in der Kruste sitzt der Geschmack.
Frag nach einer Handsemmel. Die gestanzten sind dieselbe Semmel, nur mit maschinell eingedrücktem Stern.
Geröstete Eierschwammerl
Eierschwammerl, zügig mit etwas Zwiebel in der Pfanne geröstet und mit verschlagenem Ei fertig gemacht. Das ist eher ein österreichisches als ein Wiener Gericht, und so führt es das Register auch. Saison ist von Ende Juni bis Ende September. Das Forstgesetz erlaubt zwei Kilo pro Person und Tag aus dem Wald, für mich eine leichte Jause.
Im Rezept des Registers schwitzen die Zwiebeln in Schmalz an. Frag, welches Fett die Küche nimmt.
Apfelstrudel
Säuerliche Äpfel, Zimt, Rosinen und geröstete Brösel, eingerollt in einen Teig, der so dünn gezogen ist, dass er durchscheint. Das älteste handschriftliche Strudelrezept, das das Register kennt, stammt von 1696, und gefüllt war es mit Milchrahm. Ein altes Sprichwort sagt, eine verliebte Köchin zieht den Teig so dünn, dass sie ihre Liebesbriefe hindurch lesen kann.
Vegan
Zwei Einträge, und beide sind Gemüse und keine Gerichte. Das ist hier die ehrliche Antwort. Die gekochten Wiener Klassiker im Register stehen auf Rind, Kalb, Ei und Butter, und die pflanzliche Seite der Wiener Küche wächst draußen in den Gärtnereien, genau dort, wo diese zwei herkommen.
Riesen von Aspern
Ein Radieschen mit vier bis viereinhalb Zentimetern Durchmesser, manchmal sechs, von den Gärtnern rund um Aspern selektiert und seit 1951 in der österreichischen Sortenliste. Große Radieschen werden gern pelzig. Dieses fast nie. Roh gegessen, in Streifen geschnitten oder geraspelt, oder aufs Brot gelegt.
Geerntet wird ab Anfang März, und zu haben ist es dann vier bis fünf Wochen lang. Frag in dieser Zeit danach. Den Rest des Jahres gibt es dieses Radieschen schlicht nicht.
Wiener Gemüse
Wien baut sein eigenes Gemüse an, und das seit dem fünfzehnten Jahrhundert. 2020 waren das 136 Gärtnereien auf 202 Hektar, vor allem in Simmering und in der Donaustadt. Mehr als vierzig Arten, das ganze Jahr über im Verkauf.
Frag am Marktstand, was davon in Wien gewachsen ist. Dafür gibt es eine eigene Kennzeichnung, Stadternte Wien.
Spätes Frühstück
Cà Phê Lalot wegen einer Sache hin: das Pandan Canelé
Wipplingerstraße 25
Ein Tagescafé, das sich von der vietnamesischen Küche leiten lässt: Omelett mit Crispy Chili Öl, Lychee Granola, ein Mittagsteller, der wechselt. Der Kaffee ist vietnamesisch, in eigenen Röstungen. Gault&Millau nennt das Pandan Canelé die Pflichtbestellung. Alles andere hier ist Geschmackssache. Das Canelé offenbar nicht.
- Mogeschlossen
- Di09:00–15:00
- Mi09:00–15:00
- Do09:00–15:00
- Fr09:00–15:00
- Sa10:00–16:00
- Sogeschlossen
Unter der Woche gibt es Frühstück nur bis halb zwölf, also komm früh. Am Samstag bis vier. Reservieren geht nicht.
Quellen: Gault&Millau Österreich, Falter, MeinBezirk Innere Stadt
Kaffee am Nachmittag
Café Hawelka schon lange da
Dorotheergasse 6
Falter zählt es zu den bekanntesten und ältesten Wiener Kaffeehäusern, und Leute aus Kunst und Literatur hatten hier ihren Treffpunkt. Gepolsterte Sessel, Erinnerungsstücke, und Kaffee aus der eigenen Rösterei im dreiundzwanzigsten Bezirk. Strudel und Hauskuchen macht das Haus selbst. Ich käme wegen des Strudels und ließe die Geschichte am Nebentisch sitzen.
- Mo09:00–24:00
- Di09:00–24:00
- Mi09:00–24:00
- Do09:00–24:00
- Fr09:00–01:00
- Sa09:00–01:00
- So09:00–22:00
Quellen: Gault&Millau Österreich, Falter, Sprudge
Die Cafetière wegen einer Sache hin: der Schinken-Käse-Toast
Wipplingerstraße 25
Eine Espressobar im Stil der Fünfzigerjahre, und Falter nennt den Kaffee erstklassig. Der Grund ist aber der Toast: Laut Gault&Millau gilt dieser Schinken-Käse-Toast unter Kennerinnen und Kennern als der beste der Stadt. Brot, Schinken, Käse und Hitze. Ein Gericht, hinter dem sich nichts verstecken kann.
- Mo07:30–18:00
- Di07:30–18:00
- Mi07:30–18:00
- Do07:30–18:00
- Fr07:30–18:00
- Sa09:00–16:00
- Sogeschlossen
Quellen: Falter, Gault&Millau Österreich, Falstaff
Café Exchange wo die Leute hier hingehen
Georg-Coch-Platz 2
Eine Third Wave Espressobar in Otto Wagners Postsparkasse, sie gehört zum Angewandte Interdisciplinary Lab. Die Bohnen kommen von kleinen, unabhängigen Röstereien, und neben Espresso gibt es Brew Coffee, hausgemachte Limonade und Kombucha. Otto Wagner hat diese Halle für eine Sparkasse gebaut. Eingezahlt wird heute in Espresso.
- Mo09:00–17:30
- Di09:00–17:30
- Mi09:00–17:30
- Do09:00–17:30
- Fr09:00–17:30
- Sa10:30–17:00
- Sogeschlossen
An Feiertagen ist zu, auch unter der Woche. Schau vorher auf den Kalender.
Abendessen
Kern Beisl schon lange da
Kleeblattgasse 4
Laut Falstaff führt eine Familie dieses Beisl seit 1962, und es ist geblieben, was es immer war: klein und gemütlich, in einer schmalen Gasse der Innenstadt, mit Wiener Hausmannskost zu einem für den ersten Bezirk sehr fairen Preis. Drinnen Platz für etwa fünfundvierzig, draußen ein Schanigarten. Seit 1962 ist für einen Stein nicht lang. Für ein Beisl ist es ein ordentlicher Anfang.
Die Angaben zu den Öffnungszeiten widersprechen sich. Eine lässt es am Montag und Dienstag um vier schließen, und beim Samstag sind sie uneins. Schau vor dem Abendessen auf die Seite des Hauses.
Gasthaus Pöschl wo die Leute hier hingehen
Weihburggasse 17
Ein kleines Beisl am Franziskanerplatz, in einer ruhigen Ecke des ersten Bezirks. Der Feinschmecker nennt die Küche bodenständig wienerisch, Gault&Millau authentisch österreichisch. Ein Stammgast hat dem Falter erzählt, hier gebe es den besten Erdäpfelsalat im Osten Österreichs. Ich habe noch nicht jeden Erdäpfelsalat im Osten Österreichs gegessen. Ich bin dran.
- Mo12:00–23:00
- Di12:00–23:00
- Mi12:00–23:00
- Do12:00–23:00
- Fr12:00–23:00
- Sa12:00–23:00
- Sogeschlossen
Die Küche schließt um zehn, eine Stunde vor dem Haus, und am Sonntag ist zu. Iss früh.
Quellen: Der Feinschmecker, Gault&Millau Österreich, Falter
Stand 30. September 2026.
Mit Kindern
Kurze Beine, großer Hunger.
Die Gassen hier sind voller Punkte zum Einsammeln, und ein Kind auf der Jagd vergisst, müde zu sein. Hier ist eine kurze Runde für die Kleinsten.
- Die Runde
- Stephansdom, Hofburg, Spanische Hofreitschule, Freyung, und zurück zum Start
- Strecke
- 2,0 km
- Dauer
- etwa 40 Minuten Gehzeit im Kindertempo (3 km/h)
- Stufen
- keine Gasse mit Stufen auf der Runde
- Spielplätze
- keine auf der Karte nahe der Runde
- Öffentliche Toiletten
- 9 nahe der Runde, 3 mit Wickeltisch
- Trinkwasser
- 11 nahe der Runde
- Eis
- 10 nahe der Runde
Nahe der Runde heißt im Umkreis von 150 m, gezählt aus OpenStreetMap, © OpenStreetMap-Mitwirkende.
Herkunft des Namens
Warum es Wien heißt.
Wien heißt nach einem Bach. Das Stadtlexikon sagt es in drei Wörtern: benannt nach Wienfluss. Dessen alter Name ist keltisch, Vedunia, Waldbach, und aus ihm hat sich der Name Wien entwickelt. Aufgeschrieben wird der Stadtname zum ersten Mal 881 in den Salzburger Annalen, „apud Weniam“, bei Wien, und nach jüngster Forschung meint dieses Wenia eine Siedlung, so bescheiden sie war, und nicht den Fluss. Die Römer hatten ihren eigenen Namen, Vindobona, aus dem keltischen Personennamen Vindos und einem Wort für ein Landgut. Das Landgut hat sich nicht gehalten. Der Bach schon. Bäche haben Geduld. Ich auch.
Quellen: Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki); Austria-Forum (AEIOU Österreich-Lexikon), Wien/Geschichte; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Besiedelung; Austria-Forum, Wien, Geschichte; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Mittelalter; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Vindobona
Warum hier
Jemand stand hier und hat entschieden.
Trockener Boden, hoch genug. Die Altstadt sitzt auf der Stadtterrasse, einem Plateau direkt am damals südlichsten und schiffbaren Hauptarm der Donau. Das Gelände fällt von den Hügeln in Terrassen zur Donau ab, und wo diese hier auf den Donaukanal trifft, läuft sie nicht aus, sie bricht ab; manche dieser Abbrüche nimmt man bis heute über Stiegen. Die Römer setzten ihr Lager hier herauf, an die Grenze des Reichs, zum Schutz der Donau. Als im 10. Jahrhundert wieder Siedler auf Dauer kamen, zogen sie ins alte Lager, wegen des Blicks über die Donau und das Umland. Das mittelalterliche Wien begann als leichte Erhebung innerhalb dieser römischen Linien. Ich hätte es auch genommen. Die Aussicht ist an mir verschwendet. Das Pflaster nicht.
Quellen: Wien Museum, Vindobona, Informationen zum Römermuseum für LehrerInnen; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Geographische Lage; Österreichische UNESCO-Kommission, Historisches Zentrum von Wien; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Vindobona; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Stadtmauer; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Mittelalter
Warum damals
Als der erste Stein gelegt wurde.
97. In diesem Jahr wird Vindobona einer von 30 Legionsstandorten des Römischen Reiches. Soldaten waren schon etwas früher da: zwischen 89 und 92 entstand ein Kastell für eine britannische Reitereinheit, vermutlich im Bereich des späteren Schottenklosters, und im letzten Jahrzehnt des 1. Jahrhunderts errichtete die Armee das Lager. Bis etwa 430 löste sich die militärische Verwaltung auf. Dann wird die Grabung still. Über den eingestürzten Kasernen liegt eine Schicht ganz ohne Funde, und auf dem alten römischen Boden lässt sich bis etwa ins 9. oder 10. Jahrhundert keine Siedlung mehr nachweisen. Erst dann zogen wieder Siedler auf Dauer ins alte Lager, und 1221 bekam die Stadt ihr ältestes Stadtrecht. Jahrhundertelang nichts. Für mich ein kurzes Nickerchen.
Quellen: Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Antike/Ereignisse; Wien Museum, Vindobona, Informationen zum Römermuseum für LehrerInnen; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Vindobona; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Stadtmauer; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Babenberger
Wer regierte
Alle, die dachten, das hier gehört ihnen.
Ich habe sie alle überdauert. Das ist das Einzige, was ich richtig gut kann.
- 97–430
Rom. Ab 97 ist das hier ein Legionsstandort an der Donaugrenze, und das Sagen hatte das Militär. Bis etwa 430 löste sich das auf, und die Antike endet hier mit dem Abzug der römischen Truppen um 420/30. In der Grabung sieht man es: die eingestürzten Dächer der Kasernen, darüber eine Schicht mit spätantiken Funden, aber ohne Bauten, und darüber eine Schicht ohne jeden Fund.
Quellen: Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Antike/Ereignisse; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Mittelalter; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Vindobona
- 976–1246
Die Babenberger, die Familie, die Österreich von 976 bis 1246 regierte und um 1135 Stadtherr von Wien wurde. Um 1155 holten sie die Schotten-Mönche aus Regensburg nach Wien und verlegten ihre eigene Residenz in die Stadt, von Klosterneuburg in eine Burg innerhalb der alten Mauern, auf dem Platz, der auf dieser Runde noch immer Am Hof heißt. 1156 wurde Heinrich II. Herzog von Österreich. 1221 gaben sie Wien sein ältestes Stadtrecht. Spätestens 1280 war die Burg keine Residenz mehr, und auf dem Platz begann der Markt. Ein Palast, aus dem ein Marktplatz wird: so herum gehört sich das.
Quellen: Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Babenberger; Austria-Forum, Wien, Geschichte; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Am Hof
- 1251–1276
Ottokar II. Přemysl von Böhmen. Nach den Babenbergern wählten ihn die österreichischen Stände 1251 zum Landesfürsten, damals noch Markgraf von Mähren. Die Stadtgeschichte nennt seine Jahre das Interregnum, die Lücke zwischen zwei Familien, und Wien kam stärker daraus heraus, als es hineingegangen war.
Quellen: Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Ottokar II. Přemysl; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Babenberger; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Wiener Wappen
- 1278–1918
Die Habsburger. Rudolf I. hielt am 30. November 1276 seinen feierlichen Einzug in Wien, und Wien wurde „des Reiches Hauptstadt in Österreich“. Das Stadtlexikon datiert ihre Ära auf 1278 bis 1918, sechshundertvierzig Jahre unter einer Familie. Vor so einer Zahl zöge ich den Hut, wenn ich einen hätte. 1282, schon unter habsburgischer Stadtherrschaft, ist mit Konrad Poll erstmals ein Wiener Bürgermeister genannt, und ungefähr gleichzeitig zeigt der eigene Schild der Stadt ihr Kreuz.
Quellen: Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Rudolf I.; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Babenberger; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Mittelalter; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Wiener Wappen
- 1920–
Wien selbst. Seit dem 10. November 1920 ist die Stadt ein eigenes Bundesland: Der Bürgermeister amtiert zugleich als Landeshauptmann, der Gemeinderat als Landtag. Das Trennungsgesetz mit Niederösterreich, von beiden Landtagen gleichlautend am 29. Dezember 1921 beschlossen, trat mit 1. Jänner 1922 in Kraft. Ausgenommen die Jahre 1934–1938 und 1938–1945 ist es seither so. Nach Rom, den Herzögen, einem König von Böhmen und den Kaisern wird also in der Stadt selbst entschieden, wer hier das Sagen hat.
Quellen: Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Wien wird Bundesland
Das Wappen
Was das Wappen bedeutet.
Ein weißes Kreuz in rotem Schild. Das Landesgesetz sagt es in einem Satz: Das Wappen der Bundeshauptstadt Wien zeigt in einem roten Schild ein weißes Kreuz. Das erste Stadtsiegel übernahm noch das Zeichen des Stadtherrn, den babenbergischen Adler. Der Kreuzschild ist Wiens eigener, ab circa 1278 fassbar und damit eines der ältesten Stadtwappen, die nicht aus einem Siegelbild kommen. Sein ältester Beleg ist eine Münze, ein Wiener Pfennig, mit einem Balkenkreuz, das bis an den Schildrand reicht. 1327 liegt das Kreuz dem Adler auf der Brust, im kleinen Stadtsiegel, und 1461 verlieh Friedrich III. der Stadt zusätzlich einen Doppeladler. Woher das Kreuz kommt, weiß niemand. Kreuze deuten sonst auf einen Bischof als Stadtherrn, und das trifft auf Wien nicht zu; erwogen wird die Reichssturmfahne, und das Stadtlexikon schreibt selbst, die klärende Vergleichsstudie sei ein Desiderat. Ich habe Zeit.
Quellen: Republik Österreich, Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS), Landesrecht Wien, Gesetzesnummer 20000334, geltende Fassung; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Wiener Wappen
Wappen: Gemeinfrei — offizielles Stadtwappen (Wikimedia Commons)
Drei Fakten
Drei Dinge, die ich über diesen Ort weiß.
Der Umriss, den du abgehst, ist römisch. Die Lagermauer war so solide gebaut, dass sie das Ende der Römerzeit überstand und als Mauerring der ersten mittelalterlichen Stadt diente; deshalb ist ihre Form an der Ost-, Süd- und Westseite bis heute im Weichbild der Innenstadt zu erkennen. Die Krümmung des Rabensteigs folgt ihrem abgerundeten Nordost-Eck. In der Naglergasse verlief die mittelalterliche Mauer entlang der heute gerade nummerierten Häuser. Zwei Kirchen stehen auf der Römermauer als Unterbau, die Ruprechtskirche und Maria am Gestade, und ein Tor der mittelalterlichen Mauer, an der Fischerstiege, stand bis 1776. Innen weicht jede mittelalterliche Baulinie von den römischen ab. Der Rand blieb, die Füllung wurde neu belegt.
Quellen: Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Vindobona; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Rabensteig; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Naglergasse; Wien Museum, Vindobona, Informationen zum Römermuseum für LehrerInnen; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Stadtmauer
Der Graben ist ein zugeschüttetes Loch. Er ist der Graben des römischen Lagers: am Ausgang des 12. Jahrhunderts wuchs die Stadt darüber, er wurde zugeschüttet, planiert und verbaut, bezahlt aus dem Lösegeld für den englischen König Richard Löwenherz. 1294 wird er urkundlich als Verkehrsfläche genannt, 1300 als Marktplatz. Dann kam die Ware. Milch ab 1300, Kraut ab 1320, Brotläden ab 1338, Kräutlerinnen mit Grünzeug ab 1418. Aus einem Loch wurde eine Speisekammer. Besser hat in dieser Stadt nie jemand ein Loch verwertet.
Bis Maria Theresia 1771 die Hausnummern einführte, erkannte man ein Wiener Haus nur an seinem Schild, und manche dieser Schilder leben bis heute in den Straßennamen dieser Runde weiter. Stoß im Himmel heißt seit 1796 so, nach dem Schild des Hauses Nummer 3. Im 18. Jahrhundert hängte ein Kolonialwarenhändler an der Wollzeile ein schmiedeeisernes Hauszeichen aus, den Schmeckenden Wurm, halb Lindwurm, halb Krokodil, und schmecken hieß damals riechen; nach ihm ist der Durchhaus-Hof benannt. Die Steindlgasse heißt nach dem Schild Zum Steindl, schon 1701 belegt. Das nehme ich persönlich.
Quellen: Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Hausschild; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Stoß im Himmel; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Schmeckender-Wurm-Hof; Stadt Wien (Wien Geschichte Wiki), Steindlgasse
Gassenwörter
Was auf den Schildern steht.
- Gasse
- Das gewöhnliche Wort für eine Straße, und der größte Teil dieser Runde endet darauf. Lies die Tafeln, und der Speiseplan schreibt sich von selbst: Milchgasse, Salzgasse, Essiggasse, dazu eine Bäckerstraße für das Brot. Auch die Handwerke stehen drauf: Naglergasse, Färbergasse, Kramergasse. Und die Irisgasse ist so kurz, dass sie vorbei ist, bevor ich weiß, wie sie schmeckt.
- Stiege, Steig, Steg
- Eine Treppe, ein Aufstieg, ein Fußweg. Die Altstadt sitzt auf einer Terrasse, und wo der Boden abbricht, kommen Stufen: Fischerstiege, Ruprechtsstiege, Marienstiege, Hafnersteig, Rabensteig, Mölker Steig, Lichtensteg. Sieben Wege hinauf, und ich nehme jeden im selben Tempo.
- Hof
- Ein Hof, und hier kann ein Hof als Straße zählen: Haarhof, Ledererhof, Schulhof, Fischhof, Trattnerhof, Tuchlaubenhof, Schmeckender-Wurm-Hof. Dazu Am Hof, ein ganzer Platz, der nach einer Burg heißt. Ein Zimmer ohne Dach, in das eine Gasse hineinläuft und dann aufhört.
- Bastei
- Eine Bastei der Stadtbefestigung. Augustinerbastei, Coburgbastei, Dominikanerbastei, Mölker Bastei, Schottenbastei, Stubenbastei. Von den Basteien sind die Namen geblieben, und die Namen halten die Linie, darum liegen alle sechs am Rand dieser Runde und nicht irgendwo Vernünftigem.
- Markt
- Ein Markt, und auf dieser Runde gibt es fünf: Hoher Markt, Neuer Markt, Bauernmarkt, Fleischmarkt, Wildpretmarkt. Bauern, Fleisch und Wildbret, alles auf den Straßentafeln. Fünf Namen dieser Runde sind ein Einkaufszettel. So etwas fällt mir auf.
Die Größe
An einem Tag zu schaffen: Wien in Zahlen.
Gezählt aus den Gassen im Spiel selbst, nicht aus einem Reiseführer.
- 219Gassen
- 2.508Punkte
- 39,9km Gasse
- 48,8km zu Fuß
- 14Stunden im Schlendertempo
Das Spiel
Deine erste Stadt ist gratis.
Cobble Gobble ist ein Lauf-Spiel fürs iPhone. Such dir eine Stadt als deine Gratis-Stadt aus. Jede weitere ist ein Einmalkauf, der dir bleibt, Familienfreigabe inklusive, und eine Stadt, die dir gehört, läuft komplett offline.