Ungarn · Altstadt
Budapest
Jede Gasse auf der Karte.
Jede Gasse in der Altstadt von Budapest ist eine Reihe von Punkten, die du beim Gehen einsammelst. Ich liege seit sechshundert Jahren in einer davon und bin immer noch nicht fertig.
Die Altstadt
Jede Gasse, gezeichnet.
Jede Gasse innerhalb der Linie ist ein Gang. Die Kreise sind Obst.
Sehenswürdigkeiten
Was ich zuerst essen würde.
Sehenswürdigkeiten sind Obst. Je größer die Sehenswürdigkeit, desto größer der Bonus.
Budavári Palota 1.500 Punkte
Geh durch den Oroszlános udvar hinein. Vier Löwen am Tor, und keiner von ihnen rückt zur Seite. Dann hinaus auf die Savoyai terasz und hinunterschauen: von dort siehst du auf einen Blick, was du heute alles gegessen hast.
Budavári Nagyboldogasszony-templom 500 Punkte
Der Rest der Burgstadt ist blass. Dieses Dach ist es nicht: bunte Ziegel, in Rauten verlegt, und von der Pester Seite aus die einzige Farbe da oben. Ich beurteile Gebäude danach, was sie anziehen.
Citadella 500 Punkte
Der höchste Punkt dieser Runde. Lass den geraden Weg links liegen und nimm die Citadella sétány hintenherum: länger, schattiger, und die Aussicht kommt am Ende auf einmal statt häppchenweise. Heb dir das für zuletzt auf.
Központi Vásárcsarnok 500 Punkte
Das einzige Gebäude auf dieser Runde, das meiner Meinung ist, wozu eine Stadt da ist. Unten Fisch, im Erdgeschoss Paprika, Wurst und Eingelegtes in Mengen, oben Mittagessen. Es steht am Pester Ende der Szabadság híd, und du riechst es, bevor du es siehst.
Széchenyi lánchíd 500 Punkte
Diese läufst du ab, statt sie zu fotografieren. An jedem Ende sitzt ein Löwe, und dazwischen summt der Belag unter deinen Sohlen, was auf keinem Bild mitkommt. Das Flachste, was mir den ganzen Tag unterkommt, und ich lasse mir Zeit damit.
Erdélyi bástya 250 Punkte
Die stille Nordwestecke oben, abseits der Linie, die alle ablaufen. Komm über die Tóth Árpád sétány, unter den Platanen an der Westmauer entlang. Meistens ist niemand da, und das ist hier oben das Seltenste, was es gibt.
Erzsébet híd 250 Punkte
Die weiße. Der schnellste Weg aus den Pester Gassen an den Fuß des Bergs. Bleib in der Mitte stehen und schau flussaufwärts: von dort ordnen sich beide Ufer, und du siehst den Rest deines Tages vor dir liegen.
Károlyi-palota 250 Punkte
Geh hinten herum. Dahinter liegt ein ummauerter Garten mit Kieswegen und Bänken, die ruhigste Ecke dieser Stadthälfte. Die Váci utca ist vier Minuten weit weg, und niemand von dort ist hier.
Magyarok Nagyasszonya Sziklatemplom 250 Punkte
Diese Kirche ist nicht am Berg, sie ist im Berg. Such am Budaer Ende der Szabadság híd nach der Öffnung im Fels; eine Fassade gibt es fast nicht. Ein Bau, der zum größten Teil gar nicht da ist, gefällt mir.
Pesti Vigadó 250 Punkte
Stell dich auf den Dunakorzó und schau hinauf. Jede Handbreit dieser Front ist verziert, und nichts davon passt zum Nachbarn. Dreh dich dann um: nirgends auf dieser Uferseite siehst du den Berg besser, den du dir noch vornehmen musst.
Szabadság tér 250 Punkte
Die größte Lücke in der Pester Hälfte. Bäume in der Mitte, hohe Fassaden ringsum und dazwischen viel Nichts. Nach einem Vormittag in engen Gassen mag ich einen Teller, auf dem noch Platz ist.
Herkunft des Namens
Warum es Budapest heißt.
Budapest sind zwei Namen, die man aneinandergeklebt hat, und die ältere Hälfte heißt Ofen. Pest ist ein Wort bulgarischen Ursprungs für Ofen, Brennofen, Kalkofen, oder auch Höhle. Im frühen Mittelalter hing der Name allerdings auch am rechten Ufer, und angefangen hat er vermutlich drüben, an dem Berg mit den Höhlen darin. Die flache Hälfte dieser Runde ist also nach einem Loch benannt, das sie von der anderen Seite anschaut. Bei Buda ist man sich weniger einig: Eine Chronik aus dem 13. Jahrhundert schreibt den Namen einem Mann zu, und das Lexikon, das die Geschichte weitergibt, verbucht sie als spätere Annahme.
Quellen: lexikon.katolikus.hu, lexikon.katolikus.hu
Warum hier
Jemand stand hier und hat entschieden.
Die zwei Ufer sind nicht dasselbe. Links flaches Sumpf- und Buschland im Bogen einer Donauschleife, aber mit guten Übergängen, über die schon Verkehr lief, bevor es jemand aufschrieb. Rechts ein Bergrücken. Lange war die Furt die ganze Sache und die Stadt lag links. Dann fand ein König die Höhe wichtiger als den Weg hinauf, siedelte die Leute auf den Burgberg um und legte dort oben eine neue Stadt an. Seither gehören beide Seiten dazu, und dazwischen liegt Wasser. Kauen muss man hier also in zwei Gängen.
Quellen: lexikon.katolikus.hu
Warum damals
Als der erste Stein gelegt wurde.
Ein Gründungsdatum gibt es hier nicht, es gibt einen Stapel. Die Römer setzten auf das flache Ufer ein Kastell, Contra Aquincum, genau dorthin, wo heute der Március 15. tér liegt, und es stand die Völkerwanderung so ordentlich durch, dass die ankommenden Ungarn es noch benutzen konnten. Pest selbst steht 1061 zum ersten Mal auf Papier, in der Gründungsurkunde einer Benediktinerabtei. Die Stadt drüben auf dem Berg ist jünger. Und Budapest, das die beiden zusammen sind, gibt es erst seit 1873. Achthundert Jahre für einen gemeinsamen Namen: gründlich gekaut.
Quellen: lexikon.katolikus.hu, net.jogtar.hu
Wer regierte
Alle, die dachten, das hier gehört ihnen.
Ich habe sie alle überdauert. Das ist das Einzige, was ich richtig gut kann.
- 1061–1541
Die ungarischen Könige. Beide Städte hier unten sind königliche Gründungen, und Pest steht ab 1061 auf Papier, in der Urkunde einer Benediktinerabtei. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts saß die wichtigere Hälfte oben auf dem Berg: Pest holte seinen alten Rang nie zurück, blieb aber ein Handelsplatz, weil die Lage zu gut war, um sie liegen zu lassen.
Quellen: lexikon.katolikus.hu, lexikon.katolikus.hu
- 1541–1686
Die Osmanen. Am 21. August 1541 ging Pest endgültig in türkische Hand über, und Buda wurde der Sitz: die Paschas hielten sich dort auf und datierten von dort ihre Briefe. Neu gebaut wurde wenig. Kirchen wurden zu Moscheen umgebaut, dazu zwei Derwischhäuser und zwei Bäder, und die Wohnquartiere legten sich in das mittelalterliche Gassennetz hinein, statt es zu ersetzen. Genau das läuft dir heute noch unter den Füßen durch. 1686 wechselte das Ganze erneut den Besitzer.
Quellen: lexikon.katolikus.hu
- 1686–1873
Die Habsburger, als ungarische Könige. Auf dem flachen Ufer ging es dabei vor allem ums Geld: 1703 bekam Pest den Freibrief als königliche Freistadt, ab 1831 fuhren Dampfschiffe nach Wien, ab 1846 wurden die ersten Bahnlinien gebaut, und die Einwohnerzahl verzehnfachte sich in fünfundsiebzig Jahren auf 128.000. Die Krone blieb übrigens noch lange danach habsburgisch. Was 1873 endete, war das Regieren dieser Stadt von woanders aus.
Quellen: lexikon.katolikus.hu
- 1873–
Sich selbst. Das Gesetz von 1872 fasst Buda, Pest, Óbuda und eine Insel zu einer einzigen Behörde zusammen, die ihre inneren Angelegenheiten selbst regelt, ihre Beamten selbst wählt, ihren Haushalt selbst festsetzt und unmittelbar mit der Regierung verkehrt. Im Amtsdeutsch heißt das Selbstverwaltung. Ich nenne es das erste Mal, dass jemand den Ort selbst gefragt hat.
Quellen: net.jogtar.hu
Das Wappen
Was das Wappen bedeutet.
Das amtliche Wappen ist ein überladener Teller. Rotes Schild, quer geteilt von einem silbernen Wellenband für den Fluss; oben eine goldene Burg mit einem Turm für Pest, unten eine mit drei Türmen für Buda und Óbuda; an der einen Seite ein Löwe, an der anderen ein Greif, obendrauf die ungarische Heilige Krone. Auf einem App-Symbol bliebe davon ein Fleck. Also steht hier das, was das Problem des Schildes gelöst hat: die erste feste Brücke auf dem ganzen Donauabschnitt unterhalb von Regensburg und das erste Bauwerk, das Buda und Pest gemeinsam hingestellt haben. Die Stadt, die daraus wurde, ist ein Vierteljahrhundert jünger als sie.
Quellen: hu.wikipedia.org, www.sulinet.hu
Wappen: Eigene Zeichnung für Cobble Gobble — keine fremde Vorlage
Drei Fakten
Drei Dinge, die ich über diesen Ort weiß.
Eine einzige Gesetzesstelle hat diese Stadt gemacht, und es lohnt sich zu lesen, was da eigentlich zusammengelegt wurde. Der Artikel von 1872 vereinigt die königlichen Freistädte Buda und Pest, dazu den Marktflecken Óbuda und die Margareteninsel, die beiden letzten aus dem Komitat herausgelöst. Vier Stücke, eines davon eine Insel. Und geschrieben steht dort Buda-Pest, mit Bindestrich. Der Bindestrich hat nicht überlebt.
Quellen: net.jogtar.hu
Der Übergang im Stadtsymbol war nicht umsonst. An beiden Enden standen Mauthäuser, jeder zahlte, und der Punkt, auf den es damals ankam: die Adeligen zahlten auch. Genau das machte die Sache für die Aktionäre rentabel. Kassiert wurde bis zum 30. November 1918. Sechzig Jahre lang war das die teuerste Gasse der Stadt.
Quellen: mnl.gov.hu
Pest hatte Straßennamen, lange bevor die Stadt so hieß, und eine Handvoll ist nur deshalb bekannt, weil Quellen aus der Osmanenzeit sie aufgeschrieben haben. Es gab einen Weizenmarkt und einen Heumarkt. Es gab die Bécsi utca, und die läufst du heute noch ab. Und es gab die Kalácssütő utca, die Gasse der Kuchenbäcker. Die steht nicht mehr auf deiner Karte. An der hätte ich mir Zeit gelassen.
Quellen: lexikon.katolikus.hu
Gassenwörter
Was auf den Schildern steht.
- utca
- Das gewöhnliche Wort für Straße. Hundert Namen auf dieser Runde enden darauf: Váci utca, Molnár utca, Úri utca. Wer das eine Wort kann, liest schon den halben Stadtplan.
- tér
- Ein Platz. Vörösmarty tér, Dísz tér, Szent István tér, Erzsébet tér. In der Form tere gehört er jemandem: Ferenciek tere ist der Platz der Franziskaner.
- köz
- Ein kurzer Durchgang zwischen zwei Straßen. Haris köz, Pilvax köz, Fortuna köz, Balta köz. Acht davon liegen auf dieser Runde, und alle acht gehen schneller als außen herum.
- lépcső
- Eine Treppe, die als Straße gilt. Eötvös lépcső, Gránit lépcső, Habsburg lépcső, Vízhordó lépcső. Alle sechs liegen auf der Budaer Seite, weil es dort hinaufgeht.
- sétány
- Eine Promenade. Tóth Árpád sétány, Citadella sétány, Szabadság sétány. Ein Weg, der zugibt, dass man auf ihm bummelt, statt so zu tun, als hätte man ein Ziel.
- rakpart
- Das gebaute Ufer, an dem Schiffe festmachten. Belgrád rakpart, Széchenyi rakpart, Várkert rakpart. Drei lange Kanten am Wasser, auf beiden Seiten.
- út
- Ein Buchstabe weniger als utca und eine Nummer größer: eine Straße für Verkehr statt eine Gasse. Attila út, Lovas út, Palota út, Kelenhegyi út. Alle vier liegen drüben am Berg.
Die Größe
Eine Altstadt, ausgemessen.
Gezählt aus den Gassen im Spiel selbst, nicht aus einem Reiseführer.
- 176Gassen
- 2.752Punkte
- 45,1km Gasse
- 58,2km zu Fuß
- 16,6Stunden im Schlendertempo
Das Spiel
Deine erste Stadt ist gratis.
Cobble Gobble ist ein Lauf-Spiel fürs iPhone. Such dir eine Stadt als deine Gratis-Stadt aus. Jede weitere ist ein Einmalkauf, der dir bleibt, Familienfreigabe inklusive, und eine Stadt, die dir gehört, läuft komplett offline.