Bayern · Altstadt
Nürnberg
Stadtrundgang auf eigene Faust durch die Altstadt von Nürnberg: jede Gasse in zwei Tagen.
Jede Gasse auf der Karte.
Jede Gasse in der Altstadt von Nürnberg ist eine Reihe von Punkten, die du beim Gehen einsammelst. Ich liege seit sechshundert Jahren in einer davon und bin immer noch nicht fertig.
Auf einen Blick
Bevor du losgehst.
- Strecke
- 45,2 km
- Dauer
- etwa 13 Stunden
- Gassen
- 217
- Stufen
- 15 Gassen mit Stufen
- Startpunkt
- Kaiserburg
- Handy beim Gehen nötig
- nein
- Offline nutzbar
- ja
- Läuft ab
- nie
Die Altstadt
Jede Gasse, gezeichnet.
Was innerhalb der Linie liegt, kommt auf den Teller. Die Kreise sind Obst.
Sehenswürdigkeiten
Was ich zuerst essen würde.
Sehenswürdigkeiten sind Obst. Je größer die Sehenswürdigkeit, desto größer der Bonus.
Kaiserburg 1.500 Punkte
Auf dieser Seite des Flusses neigt sich jede Gasse zu ihr hin. Nimm die Burgstraße hinauf und bleib nicht stehen: Sie ist der gerade Weg nach oben, und sanfter wird sie unterwegs nicht. Das letzte Stück ist ein ehrlicher Anstieg, und daran ändert sich nichts.
Albrecht-Dürer-Haus 500 Punkte
Es steht ganz oben in der Stadt, an dem kleinen Platz gleich hinter dem alten Tor, und es ist doppelt so groß wie alles drumherum. Unten Sandstein, darüber Holz, darüber ein Dach, in das ein ganzer Winter passt. Geh über den Platz und schau vom hinteren Eck zurück. Von unten siehst du nicht die Hälfte davon.
Frauenkirche 500 Punkte
Stell dich mittags davor. Oben im Giebel setzt sich etwas in Bewegung, es dauert ein paar Minuten, und dann ist es für heute vorbei. Was es ist, sage ich dir nicht. Komm früh und stell dich in die Mitte des Platzes. Alle anderen merken das eine Minute zu spät.
Germanisches Nationalmuseum 500 Punkte
Für den hier musst du nicht hinein. Die Gasse davor ist von hohen weißen Säulen gesäumt, siebenundzwanzig Stück in einer Reihe, und jede trägt einen einzigen Satz, auf Deutsch und in je einer weiteren Sprache. Lies im Gehen. Ich kenne keine zweite Straße, die zum Lesen im Schritttempo gebaut wurde.
Schöner Brunnen 500 Punkte
Das höchste Ding auf dem großen Platz und das einzige, das ganz für sich steht. Vergoldeter Stein, nach oben gestapelt, bis nichts mehr kommt, geformt wie ein Kirchturm, dem die Kirche abhandengekommen ist. Geh einmal ganz herum. Er ist so gemacht, dass man ihn von allen Seiten liest, und die meisten sehen nur eine.
St. Lorenz 500 Punkte
Komm nicht von der Seite. Nimm die Karolinenstraße und schau geradeaus: Die Straße wurde mit dieser Westfront als Ziel am Ende geplant, und das geht auf. Dann geh bis unter das Portal, so nah, dass du den Kopf in den Nacken legen musst.
St. Sebald 500 Punkte
Geh außen herum bis zur Ostseite. Das Dach über dem Chor ist viel steiler und viel höher als das Dach über dem Rest, und vom Fluss aus liest es sich wie ein zweiter Bau hinter dem ersten. Hundert Jahre später hat man drüben am anderen Ufer denselben Trick gemacht. Zwei steile Dächer, ein Fluss dazwischen.
Balkon über der Pegnitz 250 Punkte
Vor der Mauer, über einen Weg, der erst unter der Mauer und dann unter der Straße durchschlüpft, und eine kurze Treppe hinauf. Ein kleiner Vorsprung im Park, der Fluss darunter. Nichts zu lesen, keine Schlange. Stell dich ans Geländer und lass die Stadt hinter dir leise werden.
Egidienplatz 250 Punkte
Das hohe Ende der Nordhälfte und der größte Atemraum auf der ganzen Runde. Such dann den Durchgang in der Häuserzeile im Norden. Dahinter liegt ein Innenhof mit Arkaden über drei Geschosse, Stein für Stein nach historischen Fotografien wieder zusammengesetzt. Offen ist er nicht jeden Tag. Dafür lohnt es sich, die Runde danach zu legen.
Frauentorturm 250 Punkte
Wer mit dem Zug kommt, betritt die Stadt hier, und eine bessere Haustür haben wenige. Nicht von draußen fotografieren und weitergehen. Geh hindurch, dreh dich sofort um und schau dir die Innenseite an. Und dann schau, wie dick das Ding da ist, wo die Straße durchgeht.
Freiung 250 Punkte
Ein breites flaches Stück ganz oben, und flach ist hier sonst nichts. Gebaut wurde darauf nie etwas, und daran wird sich nichts ändern. Lehn dich an die Mauer, lass die vorbei, die eben die Treppen hochgekommen sind, und nimm dir fünf Minuten. Danach kommt das Große.
Laufer Schlagturm 250 Punkte
Ein Torturm, der mitten in der Stadt gelandet ist, weil die Mauer ohne ihn weitergezogen ist. Geh durch den Bogen, nicht drum herum. Such die kleinen Nischen in der Durchfahrt, dann schau senkrecht nach oben.
Maxbrücke 250 Punkte
Im westlichen Stück des Flusses, kurz bevor er die Mauer wieder verlässt. Bleib auf halber Strecke stehen und schau flussaufwärts: ein überdachter Holzsteg, ein Turm mitten im Wasser und ein langer Fachwerkbau am Ufer. Das Bild kennst du wahrscheinlich schon von einer Postkarte. Die Brücke, auf der du dafür stehst, hebe ich mir auf, bis du da bist.
Tucherschloss 250 Punkte
Draußen am stillen Rand der Runde, hinter einer hohen Mauer, in einer Gasse, in die kaum jemand abbiegt. Von der Straße bekommst du fast nichts: eine Front und ein Chörlein, das sich über den Gehweg schiebt. Geh hinein. Hinter dem Gebäude fällt der Boden in Terrassen ab, und unten steht ein einzelner Renaissancesaal, der in Teilen hierher gebracht und wieder zusammengesetzt wurde.
Weißer Turm 250 Punkte
Fünf der langen Straßen auf dieser Stadthälfte biegen ein und treffen sich an diesem einen Punkt. Stell dich an seinen Fuß und schau an ihnen entlang zurück. Der ganze Plan der Südhälfte zielt hierher, und das ist viel Planung für einen Klotz Mauerwerk.
Essen
Echtes Essen.
Nürnberg verdiente sein Geld mit kleiner Arbeit und langen Straßen. Die Gewürze kamen von Venedig herauf, der Honig aus dem Reichswald vor den Toren, das Gemüse von den Gärtnereien gleich hinter der Nordmauer. Dann machten die Handwerker hier, was sie immer machten, und schrumpften es. Eine Wurst so lang wie ein kleiner Finger. Ein Gebäck, in ein geschnitztes Holzmodel gedrückt. Eine Stadt, deren Spielzeug überallhin ging, ernährte sich genauso.
Fleisch und Fisch
Nürnberger Rostbratwürste, drei im Weggla
So lang wie ein kleiner Finger und auch so dick, Majoran in der Würze, in einen Schafsaitling gefüllt. 1313 hier zum ersten Mal aufgeschrieben, also älter als das meiste an Mauer um dich herum. Drei kommen ins aufgeschnittene Brötchen. Das Brötchen heißt Weggla und die Bestellung heißt drei im Weggla.
Im Stehen am Fenster ist hier das Normale. Willst du einen Stuhl und einen Teller, bestell sechs oder acht mit Kraut.
Quellen: GenussErbe Bayern
Fränkisches Schäufele
Schweineschulter, gebraten mit Knochen und Fettschwarte. Richtig gemacht wirft die Schwarte kleine Bläschen und wird knackig und rösch. Der Knochen, der danach übrig bleibt, hat die Form einer kleinen Schaufel, und mehr steckt nicht hinter dem Namen. Franken wollte nie einen besseren.
Kartoffelklöße gehören dazu. Das ist keine Wahl, das ist die Abmachung.
Quellen: GenussErbe Bayern
Aischgründer Karpfen
Teichkarpfen, flach im Körper, aus Wasser eine Stunde westlich von hier. Klöster ließen die Teiche im Mittelalter anlegen, weil der Boden zu nass zum Ackern war und die Fastenzeit mehr Fisch verlangte, als zu fangen war. Franken isst ihn nur in Monaten mit r, also von September bis April.
Bestell ihn fränkisch gebacken, in Mehl gewendet und in der Pfanne. Es gibt andere Wege, aber für den hier legt sich die Gegend ins Zeug.
Quellen: GenussErbe Bayern
Vegetarisch
Nürnberger Lebkuchen
Gewürzkuchen mit fast keinem Mehl. Zwei Dinge machten ihn hier möglich, und beide kamen über die Straße: Honig aus dem Reichswald vor den Toren und Gewürze aus dem Handel mit Venedig. 1643 bildete sich hier die Zunft der Lebzelter. Elisenlebkuchen ist die Spitzenklasse und darf nur zehn Prozent Mehl enthalten, das meiste, was du beißt, sind also Nüsse.
Gibt es hier das ganze Jahr, nicht nur im Dezember. Frag nach Elisen, wenn du die Spitzenklasse willst.
Quellen: GenussErbe Bayern
Fränkische rohe Klöße
Kartoffelklöße aus rohen Kartoffeln statt aus gekochten. Früher hießen sie grüne Klöße, weil roher Kartoffelteig genau diese Farbe annimmt, bevor ihn jemand behandelt. Reiß einen mit zwei Gabeln auf, statt ihn zu schneiden. Die grobe Fläche nimmt mehr von dem auf, was auf dem Teller liegt.
Der Kloß ist die fleischlose Hälfte. Was darüberkommt, ist es meistens nicht, also frag nach.
Quellen: GenussErbe Bayern
Nürnberger Eierzucker
Ein hartes helles Gebäck, in ein geschnitztes Model gedrückt, sodass das Bild oben stehen bleibt, während der Boden bräunt. Reiter, Hähne, Engel. Die Model waren erst aus Ton, dann drei Jahrhunderte lang aus Holz. Eine Stadt, die vom Schnitzen von Spielzeug lebte, schnitzte irgendwann auch ihr Gebäck.
Das ist eine Dezembersache. Außerhalb der Zeit frag in einer alten Bäckerei, ob sie die Model noch hat.
Quellen: GenussErbe Bayern
Vegan
Knoblauchsländer Gemüse
Die Gärtnereien fangen gleich hinter der Nordmauer an und ziehen sich Richtung Fürth und Erlangen. Zweihundert Betriebe auf zweitausenddreihundert Hektar: Spargel, Kohlrabi, Lauch, Rettich, Spinat, Kohl. Bekannt seit dem 15. Jahrhundert. Die Gegend heißt Knoblauchsland und ist nach den Zwiebeln benannt. Das hat nie jemand in Ordnung gebracht.
Frag am Marktstand, was davon vom Knoblauchsland kommt. In der Saison das meiste.
Quellen: GenussErbe Bayern
Fränkisches Holzofenbrot
Roggensauerteig aus Mehl, Wasser und Salz, in drei bis vier Stufen über ungefähr einen Tag geführt. Dann brennt Holz direkt auf der Backfläche nieder, die Glut wird sauber ausgeräumt, und der Laib kommt auf einem langen Buchenholzschießer hinein und backt über eine Stunde in der gespeicherten Hitze. Er bleibt fast eine Woche frisch.
Ein ganzer Laib ist schwer. Frag nach einem Viertel und nimm lieber das mit.
Quellen: GenussErbe Bayern
Bayerischer Meerrettich
Kren, angebaut in den drei Landkreisen gleich nördlich der Stadt. Das staatliche Verzeichnis nennt dieses Anbaugebiet das traditionsreichste der Welt und datiert es auf Mitte des 15. Jahrhunderts. Ein Reisender schrieb den Feldanbau in Baiersdorf 1787 auf. Frisch am Tisch gerieben erreicht er dich, bevor er den Teller erreicht.
Frag nach frisch geriebenem. Das aus dem Glas ist meistens mit Sahne gestreckt.
Quellen: GenussErbe Bayern
Spätes Frühstück
Pockets wegen einer Sache hin: die gebackenen Teigtaschen
Hallplatz 2
Teigtaschen, außen knusprig und innen gefüllt mit allem von süß bis herzhaft, jede im Café selbst gemacht und gebacken. Der Kaffee kommt von der Kaffeewerkstatt Kucha, geröstet in Bayern. Eine Tasche ist die richtige Form für ein Frühstück. Es fällt nichts heraus, bevor du es willst.
- Mo09:00–14:00
- Digeschlossen
- Mi09:00–18:00
- Do09:00–18:00
- Fr09:00–18:00
- Sa09:00–18:00
- So09:00–18:00
Dienstags zu. Montags nur bis zwei, an den anderen Tagen neun bis sechs.
Quellen: Falstaff, nordbayern.de (Nürnberger Nachrichten), inFranken.de
Konditorei Café Beer, Breite Gasse wo die Leute hier hingehen
Breite Gasse 79
Eine Konditorei in der Breiten Gasse, der Einkaufsstraße, und nicht auf der Besucherroute. Der Konditormeister hat gut sechzig Kuchen und Torten im Repertoire. Frühstück gibt es auch. Das eigentliche Argument ist die Glastheke, und sie ist lang.
- Mo09:00–18:00
- Di09:00–18:00
- Mi09:00–18:00
- Do09:00–18:00
- Fr09:00–18:00
- Sa09:00–18:00
- Sogeschlossen
Sonntags zu. Oben an der Burg gibt es ein zweites Haus. Dieses hier steht in der Breiten Gasse.
Quellen: Der Feinschmecker
Kaffee am Nachmittag
BERGBRAND Kaffeerösterei, Weißgerbergasse wegen einer Sache hin: der Kaffee, auf Bestellung geröstet
Weißgerbergasse 38
Die Rösterei ist im Haus und röstet auf Bestellung, Frische steht hier also nicht als Versprechen auf der Tüte. Sie ist der Ablauf. Draußen ist die Weißgerbergasse, die Gasse, die alle fotografieren. Die Tasse ist der Grund, aus ihr hereinzukommen.
- Mo08:00–19:00
- Di08:00–19:00
- Mi08:00–19:00
- Do08:00–19:00
- Fr08:00–19:00
- Sa08:00–19:00
- So10:00–19:00
Jeden Tag offen, sonntags ab zehn. Es gibt ein zweites Bergbrand. Das hier ist die Rösterei in der Weißgerbergasse.
Quellen: Sprudge, European Coffee Trip
Nest Coffee wo die Leute hier hingehen
Am Wespennest 11
Ein Café so klein, dass man es laut Lokalzeitung übersieht, in einer Gasse an der Pegnitz, die Am Wespennest heißt. Es zu finden ist schon die halbe Sache. Gestochen wurde hier noch niemand. Ich habe nachgefragt.
- Mogeschlossen
- Di10:00–18:00
- Mi10:00–18:00
- Do10:00–18:00
- Fr10:00–18:00
- Sa10:00–18:00
- Sogeschlossen
Dienstag bis Samstag offen, zehn bis sechs. Sonntag und Montag zu.
Quellen: nordbayern.de (Nürnberger Nachrichten), curt Magazin Nürnberg
Abendessen
Das Steichele schon lange da
Knorrstraße 2-8
Holzgetäfelte Stuben ein paar Schritte vom Weißen Turm, und fränkische Hausmannskost ohne Beiwerk. Die Ehrenamtlichen von Slow Food in dieser Stadt zählen es zu den alten Häusern. So dunkel wird eine Täfelung nur Abend für Abend. Der Ruf einer Küche auch.
- Mo17:00–23:00
- Di11:30–14:30, 17:00–23:00
- Mi11:30–14:30, 17:00–23:00
- Do11:30–14:30, 17:00–23:00
- Fr11:30–14:30, 17:00–23:00
- Sa11:30–14:30, 17:00–23:00
- Sogeschlossen
Sonntags und an Feiertagen zu. Bis Mai ist auch Montagabend offen, im Sommer ist montags zu. Die Küche kocht mittags Dienstag bis Samstag bis zwei, abends bis neun.
Quellen: Slow Food Genussführer, Schlemmer Atlas (Busche Verlag)
Wirtshaus Hütt'n wo die Leute hier hingehen
Bergstraße 20
Holz an jeder Seite und fränkische Hausmannskost auf dem Teller, die schlichte Sorte, zu Preisen, die ein Stadtmagazin fair nannte. Vor der Tür steigt die Bergstraße zur Burg hinauf. Erst essen. Die Burg hat so lange gewartet, da wartet sie auch, bis der Teller leer ist.
- Mo11:00–24:00
- Digeschlossen
- Mi11:00–24:00
- Do11:00–24:00
- Fr11:00–24:00
- Sa11:00–24:00
- So11:00–24:00
Dienstag ist Ruhetag.
Quellen: Schlemmer Atlas (Busche Verlag), curt Magazin Nürnberg
Stand 4. Oktober 2026.
Mit Kindern
Kurze Beine, großer Hunger.
Die Gassen hier sind voller Punkte zum Einsammeln, und ein Kind auf der Jagd vergisst, müde zu sein. Hier ist eine kurze Runde für die Kleinsten.
- Die Runde
- Weißer Turm, Maxbrücke, Schöner Brunnen, Frauenkirche, und zurück zum Start
- Strecke
- 1,7 km
- Dauer
- etwa 35 Minuten Gehzeit im Kindertempo (3 km/h)
- Stufen
- keine Gasse mit Stufen auf der Runde
- Spielplätze
- keine auf der Karte nahe der Runde
- Öffentliche Toiletten
- 9 nahe der Runde, 4 mit Wickeltisch
- Trinkwasser
- 4 nahe der Runde
- Eis
- 11 nahe der Runde
Nahe der Runde heißt im Umkreis von 150 m, gezählt aus OpenStreetMap, © OpenStreetMap-Mitwirkende.
Herkunft des Namens
Warum es Nürnberg heißt.
Die älteste Form des Namens findet sich in einer einzigen Zeile einer Urkunde von 1050: Nŏrenberc. Hinten steht -berc, und einen Berg gibt es hier tatsächlich: einen steilen Sandsteinrücken mit einer Burg obendrauf. Die vordere Hälfte ist nicht geklärt. Die Verfasserin des neuen Ortsnamenbuchs für Nürnberg hält „Felsberg“ für die wahrscheinlichste Deutung. Wenn sie recht hat, liege ich seit tausend Jahren auf der Antwort, und gefragt hat mich keiner.
Quellen: www.nuernberg.de S. 2; www.historisches-lexikon-bayerns.de; www.geodaten.bayern.de S. 2; www.nn.de
Warum hier
Jemand stand hier und hat entschieden.
Ein steiler Sandsteinrücken über der Pegnitz, mitten in sehr viel königlichem Wald. Befestigt war der Fels spätestens seit dem 10. Jahrhundert, und an seinem Fuß wohnten damals schon Leute. Um 1040 setzte Heinrich III. eine neue Reichsburg darauf, einen Stützpunkt, mit dem das Reich so weit hinausgriff. Zwei Wirtschaftshöfe versorgten sie, einer auf jedem Ufer, und von ihnen aus wuchs die Stadt. Dazu kreuzten sich hier wichtige Fernstraßen, was nie schadet. Ich habe eine Meinung zu diesem Fels. Sie ist gut.
Quellen: www.geodaten.bayern.de S. 2; www.historisches-lexikon-bayerns.de; www.nuernberg.de S. 2; www.kaiserburg-nuernberg.de
Warum damals
Als der erste Stein gelegt wurde.
Es gibt ein Datum, und es ist erstaunlich genau. Am 16. Juli 1050 machte der Kaiser hier Station, hielt einen Hoftag ab und bestätigte urkundlich, dass eine Hörige namens Sigena frei sei. Die letzte Zeile dieser Urkunde lautet actum Nŏrenberc, geschehen zu Nŏrenberc, und damit steht dieser Ort zum ersten Mal auf Papier. Den Tag feiert die Stadt bis heute als Geburtstag. Von Urkunden dieser Art sind überhaupt nur fünf im Original erhalten. Die Geburtsurkunde Nürnbergs ist also der Freibrief einer anderen.
Quellen: www.historisches-lexikon-bayerns.de; www.nuernberg.de; www.nuernberg.de S. 2; www.geodaten.bayern.de S. 2
Wer regierte
Alle, die dachten, das hier gehört ihnen.
Ich habe sie alle überdauert. Das ist das Einzige, was ich richtig gut kann.
- 1050–1219
Könige. Um 1040 begründete Heinrich III. auf dem Fels eine neue Reichsburg, mitten in einem sehr großen Block Reichsgut. Bald nach 1050 übertrug er das Marktrecht vom benachbarten Königshof Fürth hierher. Sein Sohn löste das Land ringsum aus der Grafschaft heraus, zu der es gehörte, und machte daraus einen eigenen Hochgerichts- und Verwaltungsbezirk des Reichs. Könige kamen und gingen. Der Fels blieb liegen. Kann ich gut verstehen.
Quellen: www.geodaten.bayern.de S. 2; www.historisches-lexikon-bayerns.de
- 1219–1427
Die Bürger, in Raten, und jede Rate ist eine Urkunde. 1219 gab Friedrich II. ihnen einen Freiheitsbrief, der sie allein unter seinen Schutz stellte und ihnen Vorteile bei Münze und Zoll sicherte. 1256 tritt zum ersten Mal der Rat auf. 1356 machte die Goldene Bulle diese Stadt zu dem Ort, an dem jeder neugewählte König seinen ersten Reichstag abhalten musste, und stellte Nürnberg damit neben Frankfurt und Aachen. 1424 kamen die Reichskleinodien zur Aufbewahrung hierher und blieben bis 1796. Zwischen 1385 und 1427 wurden die Burggrafen Schritt für Schritt aus der Stadt gedrängt, und 1427 kaufte der Rat ihre Burg und die Reichswälder. Alles bekam er damit nicht: Das hohe Gericht, die hohe Jagd und das Geleit außerhalb der Stadt blieben bei den Zollern. Zweihundert Jahre Aktenlage, und fertig war es immer noch nicht. Das ist ungefähr mein Tempo.
Quellen: www.historisches-lexikon-bayerns.de; www.nuernberg.de
- 1427–1806
Der Rat, allein, fast vierhundert Jahre lang. Draußen verwaltete er rund 1.200 Quadratkilometer Land, das größte Territorium, das je eine Reichsstadt beherrschte. Drinnen saßen dieselben Familien auf denselben Plätzen: fünf streng getrennte Stände, 1521 durch ein Statut endgültig abgeschottet. 1525 führte Nürnberg als erste Reichsstadt die Reformation ein. Danach wurde das Geld weniger, die Ordnung nicht, und die Schulden mehr.
Quellen: www.historisches-lexikon-bayerns.de
- 1806–
Bayern. Im September 1806 nahm der neue König von Bayern die Reichsstadt in Besitz, vier Jahre nachdem sie der Regelung entkommen war, die fast alle anderen verschluckt hatte. 1835 fuhr dann die erste deutsche Eisenbahn von hier nach Fürth. Der Markt war knapp achthundert Jahre zuvor aus Fürth heraufgekommen. Ich mag eine Stadt, die sich irgendwann revanchiert.
Quellen: www.historisches-lexikon-bayerns.de; www.nuernberg.de
Das Wappen
Was das Wappen bedeutet.
Der Schild ist gespalten. Vorne ein halber schwarzer Adler auf Gold, am Spalt abgeschnitten. Hinten fünfmal schräg geteilt, Rot und Silber. Hier siehst du den Adler ganz, denn ein halber Vogel neben ein paar Schrägbalken ist in dieser Größe für niemanden zu erkennen. Die Streifen sollen mit dem Schildbord der Burggrafen zusammenhängen. Ihre Farben sind aber auch die des Reichs, und so sagen am Ende beide Hälften dasselbe: Reichsstadt, dem Reichsoberhaupt unterstellt und sonst niemandem.
Quellen: hdbg.eu; www.historisches-lexikon-bayerns.de
Wappen: Gemeinfrei — offizielles Stadtwappen (Wikimedia Commons)
Drei Fakten
Drei Dinge, die ich über diesen Ort weiß.
Der Gürtel aus Mauer, Türmen und Gräben um diese Altstadt ist der am besten erhaltene aller europäischen Großstädte. Der letzte Ring wurde 1452 geschlossen und hält seine Form seither. Über die hohen Tortürme darin ist die Denkmalliste deutlich: strategisch wertlos. Ihre Steinmäntel bekamen sie im 16. Jahrhundert, weil eine Stadt, die so aussah, einen Anspruch anmeldete. Ein Anspruch hält länger als eine Mauer.
Quellen: www.geodaten.bayern.de S. 4; www.nuernberg.de; www.geodaten.bayern.de S. 3
Seit dem 15. Jahrhundert schrieb eine strenge Baugesetzgebung vor, was ein Haus hier zu sein hatte: aus Stein, Traufseite zur Gasse, keine vorkragenden Geschosse. Fachwerk war im Allgemeinen nicht erlaubt und starb trotzdem nie aus. Der Aufwand wanderte also in die Einzelheiten: Erker, hier Chörlein genannt, dazu Ziergiebel, Aufzugsluken und Gauben. An Eckhäusern und Hausvorsprüngen war reichere Gestaltung erlaubt. Den größten Aufwand hoben sich die Patrizier, mit wenigen Ausnahmen, für die Innenhöfe hinter den Fassaden auf, wo ihn im Vorbeigehen niemand sieht. Zähl beim Gehen die Chörlein. Sie sehen aus, als könnte man sie pflücken.
Quellen: www.geodaten.bayern.de S. 4
Das hier sind zwei Städte in einer Mauer. Nördlich des Flusses wuchs die ältere Hälfte unter der Burg und folgt den Höhenlinien des Burgbergs, ihre Gassen biegen sich also mit dem Hang. Südlich davon legten die Staufer eine etwas jüngere Hälfte nach Plan an: Adlerstraße, Karolinenstraße, Brunnengasse, Breite Gasse und Frauengasse laufen fast geradlinig und fast parallel und ziehen sich dann alle auf einen Turm zusammen, den Weißen Turm, an dem die geplante Stadt endete. Erst 1320/25 lagen beide Hälften in einem Mauerring. Geh aus der einen in die andere, und deine Füße merken es vor dir.
Quellen: www.geodaten.bayern.de S. 2; www.geodaten.bayern.de S. 3; www.geodaten.bayern.de S. 5
Gassenwörter
Was auf den Schildern steht.
- Gasse
- Das gewöhnliche Wort für eine Straße, und es steht auf mehr Schildern als alles andere. Bindergasse, Entengasse, Rosengasse, Tuchgasse, Lammsgasse. Endet ein Name hier auf irgendetwas, dann darauf.
- Gäßchen
- Dasselbe, nachdem es zusammengedrückt wurde. Schmalzgäßchen, Heugäßchen, Kannengäßchen, Wollengäßchen, Stangengäßchen. Meine Lieblingsbreite.
- -tormauer
- Eine Straße, die innen an der Stadtmauer entlangläuft, benannt nach dem Tor, an dem sie beginnt. Frauentormauer, Neutormauer, Maxtormauer, Spittlertormauer, Laufertormauer, Westtormauer. Wer eine davon geht, isst die Mauer ab.
- Zwinger
- Der Streifen zwischen äußerer und innerer Mauer, heute eine Straße mit eigenem Namen. Der Tuchmacherzwinger, nach den Tuchmachern benannt, ist der eine innerhalb des Levels. Lang, schmal, auf beiden Seiten eingefasst.
- -schmied
- Ein Schmied, und das Handwerk bekam die Gasse. Pfannenschmiedsgasse für Pfannen, Rotschmiedsgasse für Rotguss, Zirkelschmiedsgasse für Zirkel, dazu eine Obere und eine Untere Schmiedgasse. Das Handwerk ist weg. Die Adressen sind geblieben.
- Steg
- Ein Fußsteg, der als Straße zählt. Kettensteg und Hoher Steg führen über das Wasser, und viel mehr als Bretter und Eisen ist da nicht. Ein Auto war nie darauf. Punkte liegen trotzdem darauf.
Die Größe
An einem Tag zu schaffen: Nürnberg in Zahlen.
Gezählt aus den Gassen im Spiel selbst, nicht aus einem Reiseführer.
- 217Gassen
- 2.318Punkte
- 37,0km Gasse
- 45,2km zu Fuß
- 13Stunden im Schlendertempo
In der Nähe
Altstädte in der Nähe.
Das Spiel
Deine erste Stadt ist gratis.
Cobble Gobble ist ein Lauf-Spiel fürs iPhone. Such dir eine Stadt als deine Gratis-Stadt aus. Jede weitere ist ein Einmalkauf, der dir bleibt, Familienfreigabe inklusive, und eine Stadt, die dir gehört, läuft komplett offline.