Bayern · Altstadt
Nürnberg
Jede Gasse auf der Karte.
Jede Gasse in der Altstadt von Nürnberg ist eine Reihe von Punkten, die du beim Gehen einsammelst. Ich liege seit sechshundert Jahren in einer davon und bin immer noch nicht fertig.
Die Altstadt
Jede Gasse, gezeichnet.
Jede Gasse innerhalb der Linie ist ein Gang. Die Kreise sind Obst.
Sehenswürdigkeiten
Was ich zuerst essen würde.
Sehenswürdigkeiten sind Obst. Je größer die Sehenswürdigkeit, desto größer der Bonus.
Kaiserburg 1.500 Punkte
Auf dieser Seite des Flusses neigt sich jede Gasse zu ihr hin. Nimm die Burgstraße hinauf und bleib nicht stehen: Sie war der Weg nach oben, bevor es unten überhaupt eine Stadt gab. Das letzte Stück ist ein ehrlicher Anstieg, und daran ändert sich nichts.
Frauenkirche 500 Punkte
Stell dich mittags davor. Oben im Giebel setzt sich etwas in Bewegung, es dauert ein paar Minuten, und dann ist es für heute vorbei. Was es ist, sage ich dir nicht. Komm früh und stell dich in die Mitte des Platzes. Alle anderen merken das eine Minute zu spät.
Germanisches Nationalmuseum 500 Punkte
Für den hier musst du nicht hinein. Die Gasse davor ist von hohen weißen Säulen gesäumt, siebenundzwanzig Stück in einer Reihe, und jede trägt einen einzigen Satz, auf Deutsch und in je einer weiteren Sprache. Lies im Gehen. Ich kenne keine zweite Straße, die zum Lesen im Schritttempo gebaut wurde.
Schöner Brunnen 500 Punkte
Das höchste Ding auf dem großen Platz und das einzige, das ganz für sich steht. Vergoldeter Stein, nach oben gestapelt, bis nichts mehr kommt, geformt wie ein Kirchturm, dem die Kirche abhandengekommen ist. Geh einmal ganz herum. Er ist so gemacht, dass man ihn von allen Seiten liest, und die meisten sehen nur eine.
St. Lorenz 500 Punkte
Komm nicht von der Seite. Nimm die Karolinenstraße und schau geradeaus: Die ganze Straße wurde angelegt, um diese Westfront ans Ende zu setzen, und das geht auf. Dann geh bis unter das Portal, so nah, dass du den Kopf in den Nacken legen musst.
St. Sebald 500 Punkte
Geh außen herum bis zur Ostseite. Das Dach über dem Chor ist viel steiler und viel höher als das Dach über dem Rest, und vom Fluss aus liest es sich wie ein zweiter Bau hinter dem ersten. Hundert Jahre später hat man drüben am anderen Ufer denselben Trick gemacht. Zwei steile Dächer, ein Fluss dazwischen.
Albrecht-Dürer-Haus 250 Punkte
Es steht ganz oben in der Stadt, an dem kleinen Platz gleich hinter dem alten Tor, und es ist doppelt so groß wie alles drumherum. Unten Sandstein, darüber Holz, darüber ein Dach, in das ein ganzer Winter passt. Geh über den Platz und schau vom hinteren Eck zurück. Von unten siehst du nicht die Hälfte davon.
Egidienplatz 250 Punkte
Das hohe Ende der Nordhälfte und der größte Atemraum auf der ganzen Runde. Such dann den Durchgang in der Häuserzeile im Norden. Dahinter liegt ein Innenhof mit Arkaden über drei Geschosse, Stein für Stein nach historischen Fotografien wieder zusammengesetzt. Offen ist er nicht jeden Tag. Dafür lohnt es sich, die Runde danach zu legen.
Frauentorturm 250 Punkte
Wer mit dem Zug kommt, betritt die Stadt hier, und eine bessere Haustür haben wenige. Nicht von draußen fotografieren und weitergehen. Geh hindurch, dreh dich sofort um und schau dir die Innenseite an. Und dann schau, wie dick das Ding da ist, wo die Straße durchgeht.
Freiung 250 Punkte
Ein breites flaches Stück ganz oben, und flach ist hier sonst nichts. Gebaut wurde darauf nie etwas, und daran wird sich nichts ändern. Lehn dich an die Mauer, lass die vorbei, die eben die Treppen hochgekommen sind, und nimm dir fünf Minuten. Danach kommt das Große.
Salz+Pfeffer 250 Punkte
Der einzige Halt auf dieser Runde, der nicht ein paar Jahrhunderte auf dem Buckel hat. Er liegt draußen vor der Mauer, am Ring, in einer Zeile, die niemand fotografiert, und ohne den Punkt würdest du daran vorbeilaufen. Such das Schild unten an der Fassade. Und dann schau, was diese Woche läuft, denn das wechselt.
Steubenbrücke 250 Punkte
Weiter östlich geht die Runde nicht. Einen anderen Grund, so weit herauszukommen, gibt es auch nicht. Bleib in der Mitte stehen und schau nach Westen: Der Fluss kommt hier zweigeteilt an, und dahinter macht die Stadt wieder zu. Dann dreh um und iss sie zu Ende. Eine halbe Brücke lasse ich nicht liegen.
Tucherschloss 250 Punkte
Draußen am stillen Rand der Runde, hinter einer hohen Mauer, in einer Gasse, in die kaum jemand abbiegt. Von der Straße bekommst du fast nichts: eine Front und ein Chörlein, das sich über den Gehweg schiebt. Geh hinein. Hinter dem Gebäude fällt der Boden in Terrassen ab, und unten steht ein einzelner Renaissancesaal, der in Teilen hierher gebracht und wieder zusammengesetzt wurde.
Weißer Turm 250 Punkte
Fünf der langen Straßen auf dieser Stadthälfte biegen ein und treffen sich an diesem einen Punkt. Stell dich an seinen Fuß und schau an ihnen entlang zurück. Der ganze Plan der Südhälfte zielt hierher, und das ist viel Planung für einen Klotz Mauerwerk.
Herkunft des Namens
Warum es Nürnberg heißt.
Die älteste Form des Namens findet sich in einer einzigen Zeile einer Urkunde von 1050: Nŏrenberc. Hinten steht -berc, und einen Berg gibt es hier tatsächlich: einen steilen Sandsteinrücken mit einer Burg obendrauf. Was die vordere Hälfte bedeutet, kann ich dir nicht sagen. Ich liege seit tausend Jahren auf der Antwort, und sie ist nie zur Sprache gekommen.
Quellen: www.nuernberg.de S. 2, www.historisches-lexikon-bayerns.de, www.geodaten.bayern.de S. 2
Warum hier
Jemand stand hier und hat entschieden.
Ein steiler Sandsteinrücken über der Pegnitz, mitten in sehr viel königlichem Wald und sonst nicht viel. Auf dem Fels entstand die Burg, und zwei Wirtschaftshöfe versorgten sie, einer auf jedem Ufer. Aus den Höfen wuchs die Stadt. Der ganze Sinn des Ortes war, dass das Reich hier draußen einen festen Punkt brauchte, und dieser Fels war weit und breit das einzige Feste. Ich habe eine Meinung zu diesem Fels. Sie ist gut.
Warum damals
Als der erste Stein gelegt wurde.
Es gibt ein Datum, und es ist erstaunlich genau. Am 16. Juli 1050 machte der Kaiser hier Station, hielt einen Hoftag ab und bestätigte urkundlich, dass eine Hörige namens Sigena frei sei. Die letzte Zeile dieser Urkunde lautet actum Nŏrenberc, geschehen zu Nŏrenberc, und damit steht dieser Ort zum ersten Mal auf Papier. Den Tag feiert die Stadt bis heute als Geburtstag. Von Urkunden dieser Art sind überhaupt nur fünf im Original erhalten. Die Geburtsurkunde Nürnbergs ist also der Freibrief einer anderen.
Quellen: www.historisches-lexikon-bayerns.de, www.nuernberg.de, www.nuernberg.de S. 2, www.geodaten.bayern.de S. 2
Wer regierte
Alle, die dachten, das hier gehört ihnen.
Ich habe sie alle überdauert. Das ist das Einzige, was ich richtig gut kann.
- 1050–1219
Könige. Der Fels da oben war eine Reichsburg, bevor er irgendetwas anderes war, mitten in einem sehr großen Block Reichsgut. Heinrich III. verlegte einen Markt aus Fürth hierher, damit die Burg versorgt war. Sein Sohn löste das Land ringsum aus der Grafschaft heraus, zu der es gehörte, und machte daraus einen eigenen Hochgerichts- und Verwaltungsbezirk des Reichs. Mit einer Stadt hatte das nichts zu tun. Eine Stadt gab es kaum.
Quellen: www.geodaten.bayern.de S. 2, www.historisches-lexikon-bayerns.de
- 1219–1427
Die Bürger, in Raten, und jede Rate ist eine Urkunde. 1219 gab Friedrich II. ihnen einen Freiheitsbrief, der sie allein unter den Schutz des Königs stellte und ihnen Vorteile bei Münze und Zoll sicherte. Ab 1256 steht der Rat in den Akten. 1356 machte die Goldene Bulle diese Stadt zu dem Ort, an dem jeder neugewählte König seinen ersten Reichstag abhalten musste, und stellte Nürnberg damit neben Frankfurt und Aachen. 1424 kamen die Reichskleinodien zur Aufbewahrung hierher und blieben bis 1796. Bis 1427 kaufte der Rat den Burggrafen ab, was diese hier noch hielten. Zweihundert Jahre Aktenlage. Das ist ungefähr mein Tempo.
Quellen: www.historisches-lexikon-bayerns.de, www.nuernberg.de
- 1427–1806
Der Rat, allein, fast vierhundert Jahre lang. Draußen verwaltete er rund 1.200 Quadratkilometer Land, das größte Territorium, das je eine Reichsstadt beherrschte. Drinnen saßen dieselben Familien auf denselben Plätzen: fünf streng getrennte Stände, 1521 durch ein Statut endgültig abgeschottet. 1525 führte Nürnberg als erste Reichsstadt die Reformation ein. Danach wurde das Geld weniger, die Ordnung nicht, und die Schulden mehr.
Quellen: www.historisches-lexikon-bayerns.de
- 1806–
Bayern. Im September 1806 nahm der neue König von Bayern die Reichsstadt in Besitz, vier Jahre nachdem sie der Regelung entkommen war, die fast alle anderen verschluckt hatte. 1835 fuhr dann die erste deutsche Eisenbahn von hier nach Fürth. Der Markt war knapp achthundert Jahre zuvor aus Fürth heraufgekommen. Ich mag eine Stadt, die sich irgendwann revanchiert.
Quellen: www.historisches-lexikon-bayerns.de, www.nuernberg.de
Das Wappen
Was das Wappen bedeutet.
Der Schild ist gespalten. Vorne ein halber schwarzer Adler auf Gold, am Spalt abgeschnitten. Hinten Rot und Silber, schräg geteilt. Hier siehst du den Adler ganz, denn ein halber Vogel neben ein paar Schrägbalken ist in dieser Größe für niemanden zu erkennen. Gemeint ist ohnehin beides Mal dasselbe: Diese Stadt war dem Reichsoberhaupt unterstellt und sonst niemandem.
Quellen: de.wikipedia.org, www.historisches-lexikon-bayerns.de
Wappen: Gemeinfrei — offizielles Stadtwappen (Wikimedia Commons)
Drei Fakten
Drei Dinge, die ich über diesen Ort weiß.
Der Gürtel aus Mauer, Türmen und Gräben um diese Altstadt ist der am besten erhaltene aller europäischen Großstädte. Der letzte Ring wurde 1452 geschlossen und hält seine Form seither. Über die hohen Tortürme darin ist die Denkmalliste deutlich: strategisch wertlos. Ihre Steinmäntel bekamen sie im 16. Jahrhundert, weil eine Stadt, die so aussah, einen Anspruch anmeldete. Ein Anspruch hält länger als eine Mauer.
Quellen: www.geodaten.bayern.de S. 4, www.nuernberg.de, www.geodaten.bayern.de S. 3
Seit dem 15. Jahrhundert schrieb eine strenge Baugesetzgebung vor, was ein Haus hier zu sein hatte: aus Stein, Traufseite zur Gasse, keine vorkragenden Geschosse, Firsthöhe und Ziegeldeckung festgelegt. Fachwerk war im Allgemeinen nicht erlaubt und starb trotzdem nie aus. Für den Aufwand blieben damit zwei Orte übrig. Die Innenhöfe hinter den Fassaden, wo ihn im Vorbeigehen niemand sieht. Und das eine, was über die Gasse hinausragen durfte: ein Erker, hier Chörlein genannt. Zähl sie beim Gehen.
Quellen: www.geodaten.bayern.de S. 4
Das hier sind zwei Städte in einer Mauer. Nördlich des Flusses wuchs die ältere Hälfte unter der Burg und folgt den Höhenlinien, ihre Gassen biegen sich also mit dem Hang. Südlich davon legten die Staufer eine neue Hälfte nach Plan an: Adlerstraße, Karolinenstraße, Brunnengasse, Breite Gasse und Frauengasse laufen fast geradlinig und fast parallel, und jede von ihnen neigt sich zum selben Punkt am Westende. Erst 1320/25 lagen beide Hälften in einem Mauerring. Geh aus der einen in die andere, und deine Füße merken es vor dir.
Quellen: www.geodaten.bayern.de S. 2, www.geodaten.bayern.de S. 3
Gassenwörter
Was auf den Schildern steht.
- Gasse
- Das gewöhnliche Wort für eine Straße, und es steht auf mehr Schildern als alles andere. Bindergasse, Entengasse, Rosengasse, Tuchgasse, Lammsgasse. Endet ein Name hier auf irgendetwas, dann darauf.
- Gäßchen
- Dasselbe, nachdem es zusammengedrückt wurde. Schmalzgäßchen, Heugäßchen, Kannengäßchen, Wollengäßchen, Stangengäßchen. Meine Lieblingsbreite.
- -tormauer
- Eine Straße, die innen an der Stadtmauer entlangläuft, benannt nach dem Tor, an dem sie beginnt. Frauentormauer, Neutormauer, Maxtormauer, Spittlertormauer, Vestnertormauer, Westtormauer. Wer eine davon geht, isst die Mauer ab.
- Zwinger
- Der Streifen zwischen äußerer und innerer Mauer, heute eine Straße mit eigenem Namen. Laufertorzwinger, Spittlertorzwinger, Tuchmacherzwinger, Königs- und Frauentorzwinger. Lang, schmal, auf beiden Seiten eingefasst.
- -schmied
- Ein Schmied, und das Handwerk bekam die Gasse. Pfannenschmiedsgasse für Pfannen, Rotschmiedsgasse für Rotguss, Zirkelschmiedsgasse für Zirkel, dazu eine Obere und eine Untere Schmiedgasse. Das Handwerk ist weg. Die Adressen sind geblieben.
- Steg
- Ein Fußsteg, der als Straße zählt. Kettensteg und Hoher Steg führen über das Wasser, und viel mehr als Bretter und Eisen ist da nicht. Ein Auto war nie darauf. Punkte liegen trotzdem darauf.
Die Größe
Eine Altstadt, ausgemessen.
Gezählt aus den Gassen im Spiel selbst, nicht aus einem Reiseführer.
- 257Gassen
- 2.633Punkte
- 41,6km Gasse
- 53,6km zu Fuß
- 15,3Stunden im Schlendertempo
In der Nähe
Altstädte in der Nähe.
Das Spiel
Deine erste Stadt ist gratis.
Cobble Gobble ist ein Lauf-Spiel fürs iPhone. Such dir eine Stadt als deine Gratis-Stadt aus. Jede weitere ist ein Einmalkauf, der dir bleibt, Familienfreigabe inklusive, und eine Stadt, die dir gehört, läuft komplett offline.