Bayern · Altstadt
München
Jede Gasse auf der Karte.
Jede Gasse in der Altstadt von München ist eine Reihe von Punkten, die du beim Gehen einsammelst. Ich liege seit sechshundert Jahren in einer davon und bin immer noch nicht fertig.
Die Altstadt
Jede Gasse, gezeichnet.
Jede Gasse innerhalb der Linie ist ein Gang. Die Kreise sind Obst.
Sehenswürdigkeiten
Was ich zuerst essen würde.
Sehenswürdigkeiten sind Obst. Je größer die Sehenswürdigkeit, desto größer der Bonus.
Frauenkirche 1.500 Punkte
Groß, wuchtig, aus Backstein, und von fast jeder meiner Gassen aus zu sehen. Genau dafür hat man sie so hingestellt. Drinnen ist der Trick, nicht sofort nach oben zu sehen. Sieh nach unten, gleich wenn du vom Platz hereinkommst, und lass dir kurz Zeit.
Marienplatz 500 Punkte
Die Mitte von allem, und der Punkt, auf den alle meine Gassen zulaufen. Geh nicht einfach drüber. Bleib stehen, sieh dir die lange Front mit den vielen kleinen Steinleuten an und triff die richtige Minute. Dann rührt sich die Wand.
Theatinerkirche St. Kajetan 500 Punkte
Die Farbe fällt dir zuerst auf. Sie ist das gelbe Ende der Einkaufsstraße, mit zwei schlanken Fronten und einer Kuppel dahinter, und dieses Gelb ist keine Laune. Wenn offen ist, geh hinein: Drinnen ist alles weiß, und es ist das lauteste Weiß, das ich kenne.
Viktualienmarkt 500 Punkte
Ein ganzer Platz, der nie aufgehört hat, Essen zu verkaufen. Deshalb nehme ich ihn persönlich. Alles ordnet sich um eine Mitte, und die Mitte ist der eigentliche Grund, herzukommen. Es ist auch die einzige Stelle in dieser Altstadt, an der Hinsetzen ausdrücklich zum Programm gehört.
Alter Hof 250 Punkte
Das älteste Stück auf dieser Runde, in das du einfach hineinspazieren kannst. Kaum jemand tut es. Es liegt eine Ecke weiter, hinter den lauten Gassen: ein stiller Innenhof, ein schiefer Erker an der Kante, davor ein Reiter aus Bronze. Geh hinein und lies, was da an der Wand hängt.
Isartor 250 Punkte
Das östliche, und das einzige, das noch komplett angezogen ist: ein gedrungener Mittelbau, ein ummauerter Vorhof, dazu zwei schlanke Wächter an den Kanten. Komm von innen, die breite alte Straße hinunter, die zum Wasser zieht, und sieh zu, wie es wächst. Das Fresko im Vorhof lohnt den Halt.
little ART - Münchner Künstlerhaus 250 Punkte
Es sitzt am Nordwestrand, dort, wo der Ring abknickt, und sieht aus wie ein Renaissancerathaus, das falsch abgebogen ist. Jemand hat es als Vereinshaus für eine ganz bestimmte Sorte Leute hingesetzt, und der Volutengiebel sagt sehr laut, für welche. Dahinter liegt noch ein Innenhof.
Sendlinger Tor 250 Punkte
Das südliche, und das freundlichere der beiden, die noch da sind. Der Verkehr fährt außen herum, und du gehst unten einfach hindurch. Das ist mein liebster Rest vom Vortag. Sieh dir an, was links und rechts der Durchfahrt aufragt, bevor du weitergehst. Da oben versteckt sich eine Rechenaufgabe.
Herkunft des Namens
Warum es München heißt.
München heißt: bei den Mönchen. Der Name kommt von munich, dem mittelalterlichen Wort für Mönch, und so liest die Stadt ihn seit dem Mittelalter: Das älteste erhaltene Stadtsiegel von 1239 zeigt einen Mönchskopf mit übergezogener Kapuze. Eine Stadt dieser Größe ist also nach den stillen Nachbarn benannt, die zuerst da waren. Zuerst da sein ist das Einzige, was ich kann.
Quellen: stadt.muenchen.de, hdbg.eu
Warum hier
Jemand stand hier und hat entschieden.
Kein Fels, kein Hafen, keine Flussschleife. München steht hier wegen eines Übergangs, und ausgerechnet der Übergang fehlt in dieser Runde. 1156 ließ Heinrich der Löwe eine Brücke über die Isar bauen und zog den Salztransport darüber, und alles Weitere wuchs um das Geld herum, das dabei absprang. Der Fluss liegt ein paar hundert Meter hinter deinem östlichen Rand. Dort steht heute die Ludwigsbrücke, und Gedenktafeln aus den 1890er Jahren beanspruchen die Stelle für jene erste Brücke. Dein Rand folgt der alten Linie der Befestigung, deshalb zieht er einen so ordentlichen Ring. Was du bekommst, ist der Weg zum Fluss: Das Tal läuft schnurgerade nach Osten bis zum Isartor, dessen Adresse Tal 50 lautet. Alles, was je über diesen Fluss ging, kam vorher hier entlang, und eine Straße, an der keiner vorbeikommt, ist schön glattgelaufen.
Quellen: www.geodaten.bayern.de S. 18, www.geodaten.bayern.de S. 526, stadtgeschichte-muenchen.de, www.geodaten.bayern.de S. 808
Warum damals
Als der erste Stein gelegt wurde.
1158 ist das offizielle Jahr, und es stammt aus einem Streit. Zum ersten Mal steht der Ort als forum apud Munichen auf Pergament, im Augsburger Vergleich zwischen dem Bischof von Freising und Heinrich dem Löwen, vor Kaiser und Reichstag in Augsburg ausgetragen. Die Geburtsurkunde dieser Stadt ist also fremder Schriftverkehr über eine Brücke. Aufgeschrieben wird eben erst, wenn Geld auf dem Tisch liegt.
Wer regierte
Alle, die dachten, das hier gehört ihnen.
Ich habe sie alle überdauert. Das ist das Einzige, was ich richtig gut kann.
- 1158–1180
Heinrich der Löwe, ein Welfe, und er steht hier vor allem, weil er die Brücke baute und danach von allem kassierte, was darüberzog. 1180 ging das Herzogtum an eine andere Familie, und der Markt, den er angefangen hatte, lief ohne ihn weiter. So läuft das meistens. Die Straße hält länger als der, der sie hingelegt hat.
- 1180–1918
Die Wittelsbacher, siebenhundertachtunddreißig Jahre lang: erst Herzöge, dann Kurfürsten, dann Könige. Ab 1255 war München nicht mehr nur Handelsplatz, sondern wurde zum Amtssitz eines Landesherrn ausgebaut, und 1806 wachte es als Hauptstadt eines nagelneuen Königreichs auf. Eine Familie, eine Stadt, länger, als die meisten Staaten überhaupt existieren. Ich bin in der Zeit auch nicht umgezogen. Mir hat nur keiner eine Residenz gebaut.
Quellen: stadt.muenchen.de
- 1918–
1918 endete die Monarchie, Bayern wurde zur Republik ausgerufen, und durchgesetzt hat sich der Name Freistaat Bayern. München ist seitdem dessen Hauptstadt. Diese Altstadt ist also kein Museum, sondern der laufende Betrieb eines ganzen Landes. Die Herrschaften auf dieser Seite haben viermal ihren Titel gewechselt. Das Pflaster nicht.
Quellen: stadt.muenchen.de
Das Wappen
Was das Wappen bedeutet.
Ein Mönch auf silbernem Grund: schwarze Kutte mit Goldsaum, rote Schuhe, in der Linken ein rotes Buch, die Rechte erhoben. Seit 1304 ist er das Wappen, und schon die Siegel von 1239 und 1268 zeigten einen Mönchskopf mit Kapuze. Das rote Buch ist das Eidbuch oder das Stadtrechtsbuch, überliefert als rot gebundene Handschrift von 1365. Also kein Schwert, sondern eine Hausordnung. Ab dem 18. Jahrhundert wurden die Darstellungen runder und weicher, bis der Mönch als Kind gelesen wurde, und seit 1727 heißt er Münchner Kindl.
Quellen: hdbg.eu
Wappen: Gemeinfrei — offizielles Stadtwappen (Wikimedia Commons)
Drei Fakten
Drei Dinge, die ich über diesen Ort weiß.
Diese Altstadt hat vier Viertel, und die Aufteilung ist mittelalterlich: Graggenau im Nordosten, Kreuzviertel im Nordwesten, Hackenviertel im Südwesten, Angerviertel im Südosten. Jedes sieht bis heute nach sich selbst aus, also wechselt der Geschmack viermal, ohne dass du den Ring verlässt. Das Tal war eine Zeit lang ein eigenes fünftes Viertel, bis die Nachbarn rechts und links es unter sich aufteilten.
Quellen: www.geodaten.bayern.de S. 18
Die Grundstücke wurden hier lang und tief geschnitten, also schnitt man Wege quer hindurch: eine Tür an der einen Straße, Tageslicht an der nächsten. München macht das seit dem Mittelalter und hat nie damit aufgehört. Deshalb endet so mancher Name, den du hier einsammelst, auf Passage. An der Hälfte davon läufst du achtlos vorbei. Türen zählen auch. Geh hindurch.
Quellen: www.geodaten.bayern.de S. 18
Der Grundriss unter deinen Füßen ist der alte, und er ist mit Absicht noch da. Die Altstadt wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, und der Stadtrat entschied früh, sie im Wesentlichen in ihrem bisherigen Stadtbild wieder aufzubauen: Lücken füllen, alte Parzellen behalten. Unter den deutschen Großstädten hat keine andere einen so großen historischen Bereich bewahrt. 1972 kam dazu, dass Neuhauser Straße und Kaufingerstraße den Leuten zu Fuß übergeben wurden. Da hat mir jemand einen Hauptgang serviert, von dem der Verkehr heruntergenommen war.
Quellen: www.geodaten.bayern.de S. 20, www.geodaten.bayern.de S. 21, stadt.muenchen.de
Gassenwörter
Was auf den Schildern steht.
- Passage
- Ein Weg quer durch einen Block: an der einen Straße hinein, an der nächsten wieder hinaus, mal überdacht, mal einfach ein Hof mit zwei Ausgängen. München zählt sie als Straßen, also liegen Punkte darauf.
- Hof
- Ein Innenhof, und für sich schon eine Adresse. Maffeihof, Perusahof, Viscardihof, Schäfflerhof: ein Durchgang in der Fassade, dahinter ein Hof, und die meisten gehen am Durchgang vorbei.
- Tal
- Kein Tal, das dir auffallen würde. Es ist die breite alte Straße, die nach Osten zum Wasser zieht, und eine Zeit lang war sie ein eigenes Viertel und gehörte zu keinem anderen.
- Anger
- Die Gemeindewiese, die ein Dorf für sein Vieh freihielt. Oberanger und Unterer Anger erinnern an eine, die seit sehr langer Zeit keine Wiese mehr ist.
- Graben
- Ein Graben, und die Quittung für Wasser, das hier einmal offen floss. Färbergraben, Hofgraben: Die Stadtbäche wurden nach und nach überbaut, die Namen blieben liegen.
- Markt
- Was dort verkauft wurde, in einem Wort. Rindermarkt, Roßmarkt: Früher kam die Ware auf eigenen Beinen an. Das kann man von der heutigen Ware nicht behaupten.
Die Größe
Eine Altstadt, ausgemessen.
Gezählt aus den Gassen im Spiel selbst, nicht aus einem Reiseführer.
- 152Gassen
- 1.837Punkte
- 28,2km Gasse
- 36,1km zu Fuß
- 10,3Stunden im Schlendertempo
In der Nähe
Altstädte in der Nähe.
- Regensburg
- Passau
- Nürnberg
- Bamberg
- Heidelberg
Das Spiel
Deine erste Stadt ist gratis.
Cobble Gobble ist ein Lauf-Spiel fürs iPhone. Such dir eine Stadt als deine Gratis-Stadt aus. Jede weitere ist ein Einmalkauf, der dir bleibt, Familienfreigabe inklusive, und eine Stadt, die dir gehört, läuft komplett offline.